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Norbert Zollet übergibt Forstrevier Altenfurt an Michael Gaham

Forstbetriebsleiter Johannes Wurm (re.) dankte dem scheidenden Revierförster des Forstreviers Altenfurt, Norbert Zollet (Mitte) für seinen 40-jährigen Einsatz für den Reichswald, und begrüßte Michael Gaham (li.), der die Stelle ab dem 1. April neu besetzt. Foto: Sebastian Linstädt/BaySF

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In den vergangenen Wochen zeigte Norbert Zollet (re.) seinem Nachfolger Michael Gaham schon viele verschiedene Ecken im Revier, wie etwa die höchste Fichte in der Abteilung Brandgraben unweit des Forstsitzes. Immer mit dabei: Zollets Magyar-Vizsla Rüde „Bijelo“. Foto: Sebastian Linstädt/BaySF

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2. April 2025, Nürnberg - Zeitenwende im Forstrevier Altenfurt: nach genau 40 Jahren als Revierförster geht Norbert Zollet (Jahrgang 1959) zum 1. April in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird der 27-jährige Michael Gaham aus Hersbruck. 

„Manche Menschen sagen, dass das Fell im Alter immer dicker wird“, sagt Norbert Zollet und blickt nachdenklich. „Für mich stimmt das nicht. Ich habe das Gefühl gehabt, dass es mich über die Jahre immer stärker getroffen hat, wenn ich Konflikte im Revier auszutragen hatte. Das Fell wird über die Zeit dünner, nicht dicker.“

Zollet sitzt in der milden Frühlingssonne vor dem Forsthaus im historischen Ortskern von Altenfurt, das fast 40 Jahre lang sein Zuhause gewesen ist. Das Forstrevier Altenfurt – und das ist über die Grenzen des Forstbetriebes Nürnberg hinaus bekannt – gilt als eines der Forstreviere mit dem höchsten Kommunikationsbedarf überhaupt. Von den Wäldern bei Reichelsdorf über das Naherholungsziel Steinbrüchlein bis hin zu den stark frequentierten Wäldern ums Zollhaus und schließlich Altenfurt selbst - dieses Revier ist kein Revier, in dem ein Förster Tag für Tag ungestört vor sich hinarbeiten kann. Kritische Rückfragen, ja auch offene Anfeindungen seitens der Bevölkerung gehören hier ebenso zum Tagesgeschäft wie das Auszeichnen und die Maßnahmenkontrolle. „Ich bin nie müde geworden, das nachhaltige Bewirtschaftungskonzept der Bayerischen Staatsforsten zu erklären und auch zu verteidigen“, sagt Zollet, der sein Revier Ende März übergeben hat. „Aber manchmal habe ich schon auch gespürt, dass ich von manchem Ärger mehr mit nach Hause genommen habe, als mir lieb war.“

Norbert Zollet wurde 1959 in Nürnberg geboren und entschied sich früh für eine forstliche Laufbahn – „auch wenn der Berater beim Arbeitsamt mich eher als Heizungstechniker gesehen hat“, sagt Zollet und lacht. Die Beschäftigung mit der Natur und die Pflege der Waldbestände hatten es ihm bereits angetan. Eine frühe Praktikumsstelle führte Zollet 1980 in das damalige Forstrevier Reichelsdorf, das ihm einige Jahre und eine Forstreform später unterstellt sein sollte. „Mit einigen der Forstwirte dort hatte ich dann während des Reichswaldunterbauprogramms tatsächlich wieder zu tun.“ Nach dem Fachabitur in Triesdorf und dem Studium in Weihenstephan war Zollets erste feste berufliche Station dann tatsächlich auch gleichzeitig die letzte: Seit dem 4. Februar 1985 war Zollet für das Forstrevier Altenfurt (in den Anfängen noch zum Forstamt Feucht gehörig) zuständig. 

Der Start war ein Alarmstart: der Winter 1985 sorgte gleich im März für Ausfälle durch Schneebruch auf der Fläche, die sich auf über 20.000 Festmeter summieren sollten. 1990 wütete dann noch der Sturm Wiebke durchs Land und hinterließ Zerstörung. „Wir haben die Gelegenheit dann aber am Schopf gepackt und ordentlich Laubholz ausgesät“, erinnert Zollet sich. Und das offenbar mit Erfolg: Das Forstrevier Altenfurt verfügt heute über den höchsten Anteil an Eichenvorausverjüngung im Forstbetrieb. 

Zu Gute kam Zollet in seinen Anfangsjahren eine gewisse Popularität, die mit Rudi Carell und der Beliebtheit der Sendung „Herzblatt“ zu tun hatte: Dort war Zollet in den frühen 90ern mit von der Partie: „Es war schon eine besondere Erfahrung, Rudi Carrell mal persönlich kennenzulernen. Und zu verstehen, was für knallhartes Business das Fernsehgeschäft damals schon war“, sagt Zollet und schmunzelt. Mehr als ein Date in Oberbayern sei mit der Dame der Wahl damals auch nicht entstanden. „Aber ich wurde in und um Altenfurt noch lange darauf angesprochen, dass ich doch der ‚Herzblatt-Förster‘ sei“, sagt Zollet und lacht. 

Sein offenes Wesen half dem Revierleiter dann auch kurz vor der Gründung der BaySF mit einem tragischen Tiefschlag umzugehen: Bei Holzfällarbeiten im Steinbrüchlein verunglückte ein Forstwirt schwer, Zollet leistete erste Hilfe und löse die Rettungskette aus. „Ich werde nie vergessen, wie der Notarzt damals zu mir sagte, ich dürfe mir keine großen Hoffnungen machen, dass der Kollege es packt“, erinnert sich Zollet, und seine Stimme wird leise. Der Forstarbeiter erlag dann kurz darauf im Krankenhaus seinen schweren Schädelverletzungen. Fremdverschulden konnte damals ausgeschlossen werden „Dennoch ist das, glaube ich, das Schlimmste, was Dir als Revierleiter passieren kann“, sagt Zollet. „Ich habe mich dann in der folgenden Zeit viel um die hinterbliebene Familie gekümmert. Wir sind heute noch befreundet.“

Die Gründung der BaySF war dann ab 2005 die zweite größere (Revier-)Reform, die Norbert Zollet mitmachte. „Ich weiß immer noch, wie glücklich ich war, als 2007 meine Stelle am Forstrevier Altenfurt bestätigt wurde.“ So ließ sich nahtlos anknüpfen an das Wirken der 20 Jahre davor. „Und die BaySF, vor allem aber der Forstbetrieb Nürnberg, sind über die 20 Jahre so etwas wie meine zweite Familie geworden.“ Heute beurteilt Zollet sein Revier als „herausforderndes, aber wunderschönes Forstrevier mit vielen unterschiedlichen Facetten und tollen versteckten Ecken, in dem ich mit meinem Magyar-Vizsla-Rüden „Bijelo“ auch in Zukunft immer gerne mal unterwegs sein werde“. 

Dieser Auffassung schließ sich Michael Gaham gerne an. Der 27-jährige Nachwuchskraft wird ab April die Geschäfte in und um Altenfurt übernehmen und auch das Forstl nach einer Umbauphase wieder beziehen. „Mir gefällt das Forstrevier aufgrund seiner Vielschichtigkeit und den sehr unterschiedlichen Herausforderungen sehr gut“, sagt Gaham, der zuletzt am Forstbetrieb Nürnberg kommissarisch für ein gutes halbes Jahr die Servicestelle vertrat. Auch Gaham ist ein Gewächs des Großraumes: Er stammt aus Hersbruck rund 25 Kilometer östlich von Nürnberg, wo seine Familie unter anderem Privatwald bewirtschaftet. „Deswegen freue ich mich sehr, dass es so bald nach der Prüfung mit einem heimatnahen Revier geklappt hat.“ 

Auch für Gaham stand schon früh fest, dass er Förster werden will: „Ich war von klein auf beim Holzmachen in unserem Wald mit dabei, und die Beschäftigung mit Pflanzen und Tieren hat mir schon immer gefallen. Deswegen ist dieser Beruf mein Traum.“ Die Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen der integrativen Forstwirtschaft, die die verschiedenen Waldfunktionen wie Holznutzung, Erholung oder Waldnaturschutz auf der gleichen Fläche vereint, haben es ihm besonders angetan. Konsequent zog es Gaham deswegen nach dem Abschluss zu den Bayerischen Staatsforsten. Außerdem ist Gaham begeisterter Tüftler: Er war Teil der Fahrradreparatur-AG an der Schule und später im Studium in Weihenstephan der Werkraumsprecher. 

Zu den drängendsten Herausforderungen zählt Gaham den Klimawandel, der sich im Nürnberger Becken zunehmend stark auswirkt und forstliches Handeln erfordert: „Kiefern und Fichten haben in den vergangenen Jahren schon extrem gelitten, und ich befürchte, das wird nicht mehr besser. Darum ist es mir sehr wichtig den Waldumbau konsequent fortzuführen“, sagt der junge Förster. Doch sein Vorgänger habe hier in den vergangenen 40 Jahren ein echtes Lebenswerk geschaffen und bereits auf weiter Fläche umgebaut und unterbaut. „Selbst wenn die Kiefern ausfallen, kommt bereits überall etwas nach.“ 

Auch vor den kommunikativen Herausforderungen des Reviers hat Gaham keine Scheu: „Ich habe schon immer gerne mit Menschen Kontakt gehabt. Ich erkläre gerne – höre aber auch gerne erstmal zu.“ Vielen Menschen seien die verschiedenen Facetten der integrativen Forstwirtschaft, die alle Waldfunktionen anspreche, nicht bewusst. „Ich denke, dass gegenseitiger Respekt und auch das Ernstnehmen von Sorgen der Waldbesucher fundamental sind für ein gutes Gespräch.“ Bleibt also zu hoffen, dass sich Gaham erst gar kein dickes Fell wachsen lassen muss.